„Es wird Vertrautes geben, aber auch Ungewohntes“

03.12.2025 |

Das Konradsblatt dokumentiert einen Brief von Erbischof Stephan Burger an alle Mitarbeiter und Pfarreiräte.

Der von Erzbischof Stephan Burger angestoßene Prozess der Kirchenentwicklung 2030 erreicht am 1. Januar eine entscheidende Wegmarke.
 
Liebe Mitbrüder,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
sehr geehrte Mitglieder unserer Pfarreiräte,
 
in wenigen Wochen ist es so weit. Die lange Vorbereitungszeit zu unserer Kirchenentwicklung 2030 mündet in den Start der neuen Pfarreien. Wie in einem Rückspiegel sehe ich die einzelnen Etappen des Prozesses, der uns bis zu dieser Zäsur geführt hat.

Da ging es zunächst um meine Beobachtungen in den ersten Jahren als Erzbischof, welche einschneidenden Entwicklungen sich abzeichnen. Daraus resultierte meine Erkenntnis, dass ich in meiner Verantwortung als Erzbischof handeln muss, die anstehenden Veränderungen in der heutigen Zeit anzugehen, und das mit einer anderen Herangehensweise, als wir es in der Vergangenheit gewohnt waren. 

Ermutigt wurde ich durch die Diözesane Pastoralkonferenz 2019, mit der das Projekt Kirchenentwicklung 2030 auf den Weg gebracht werden konnte. 

Die erste positive Erfahrung zeigte sich im Zuge der Raumplanung. Vor Ort wurde in den Dekanaten diskutiert und die Argumente abgewogen, sodass auf der Basis Ihrer Vorlagen und der abschließenden Diskussionen in den Räten zum 1. Januar 2022 die Planungsgrundlage für die 36 Pfarreien geschaffen war. Nun können die Pfarreien als Kirchengemeinden wieder in Übereinstimmung ihres Körperschaftsstatus nach staatlichem wie kirchlichem Recht errichtet werden.

Gemeinsam haben wir uns den Zukunftsfragen gestellt und im Diözesanforum 2022 eine Vision für unser Erzbistum diskutiert und entwickelt. Grundsätzliche Weichenstellungen, wie z. B. in die Leitung von Gemeinden Ehrenamtliche miteinbeziehen zu können, waren im zweiten Teil des Diözesanforums von den Räten des Erzbistums intensiv diskutiert worden, sodass ich auf diesen Beratungen aufbauend Arbeitsgruppen mit der Ausarbeitung der notwendigen Themen für die neuen Pfarreien beauftragen konnte. Es kristallisierte sich heraus, dass der aus der katholischen Soziallehre stammende Begriff der Subsidiarität eine wichtige Orientierung für den Prozess markiert, neben Partizipation und Transparenz. 
In vielen Begegnungen habe ich einen Eindruck von Ihrem großen Engagement in den letzten Jahren bekommen, denn die Entscheidungen und Vorlagen auf Diözesanebene werden erst in der Umsetzung vor Ort zu einem Weg in die Zukunft. 

Sie haben sich in der lokalen Projektorganisation sowie in zahlreichen Arbeitsgruppen zur Erarbeitung der Gründungsvereinbarungen beteiligt, um Ihre neuen Pfarreien vorzubereiten und auf die Fragen Ihrer Mitmenschen erste Antworten zu finden. Das alles mit dem einen Ziel, damit es gelingt, das Evangelium, die frohe Botschaft Jesu Christi, auch 2030 in unserer Gesellschaft präsent zu halten, und wir als Glaubensgemeinschaft, als Kirche leben und wachsen können. Dankbar bin ich allen, die in den neuen Pfarreien Verantwortung als Kernteam, Ökonom oder Ökonomin und als Pfarreiräte übernehmen, um diesen Weg, den wir bisher gegangen sind, weiter auszugestalten. Sie müssen diese Aufgabe auch nicht alleine schultern, sondern Sie werden durch viele pastorale Mitarbeitende unterschiedlicher Berufung unterstützt, denen ich mich ebenso in großer Dankbarkeit verbunden weiß. Diese bringen sich auf vielfältige Weise mit ihrer Arbeit ein, z. B. in den Gemeindeteams, in Verbänden und Vereinen und an vielen anderen Stellen. Dieses gemeinsame Engagement stärkt meine und, wie ich hoffe, unsere gemeinsame Zuversicht.

Diesen Brief schreibe ich Ihnen am Vorabend des ersten Advents. Mit diesem beginnt ein neues Kirchenjahr. Es ist uns vertraut und will doch immer wieder neu entdeckt und geistlich erschlossen werden. Nicht anders wird es auch nach dem Start der neu strukturierten Pfarreien sein. Es wird viel Vertrautes geben und daneben aber auch Ungewohntes. Wir sind deshalb mit unserer Aufgabe, diesen Prozess zu gestalten, noch nicht zu Ende. Darum werden wir diese Aufgabe gemeinsam fortsetzen: So werden wir in den nächsten Jahren entscheiden müssen, wo unser Engagement mit Blick auf das Evangelium unverzichtbar ist und wie wir unserem sakramentalen Auftrag als Kirche weiterhin nachkommen können. Es wird zu überlegen sein, wo in neuen Kooperationen Aufgaben gemeinsam übernommen werden und in welchen Bereichen wir kürzertreten bzw. uns auch verabschieden müssen. Im Sinne unserer Diözesanstrategie werden wir neue Möglichkeiten entwickeln, um die Menschen unserer Tage mit dem Evangelium in Berührung bringen zu können. Nicht zuletzt wird auch entscheidend sein, wie es uns gelingt, unseren Glauben so zu leben, dass wir glaubwürdig Zeugnis von der Hoffnung geben können, die uns erfüllt. 

Liebe Mitbrüder, sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sehr geehrte Mitglieder unserer Pfarreiräte, Abraham hatte die Ermutigung bekommen: Geh in das Land, das ich dir zeigen werde! Wir haben uns von diesem Mut Abrahams und der Zusage Gottes in den letzten Jahren inspirieren lassen. Gehen wir mutig weiter, auch wenn wir nicht wissen können, welche Zukunft Gott für uns bereithält. Dennoch können wir seiner Zusage vertrauen, dass er alle Tage bei uns sein wird. 

Gottes Segen erbitte ich für Sie alle, für all Ihren Einsatz für die Verkündigung des Evangeliums, für all Ihre Arbeit und Ihren Dienst in seiner Kirche!

Ihnen allen eine von der Gegenwart des Herrn erfüllte Adventszeit!
 
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Erzbischof Stephan Burger