Die Vorweihnachtszeit kann im Gefängnis durchaus belastend sein. Michael Drescher, der als Seelsorger Insassen in der JVA Karlsruhe begleitet, die dieses Jahr den Heiligabend in Untersuchungshaft verbringen, freut sich über den Adventskalender „Es heimatet sehr“.
Vorfreude auf Weihnachten (von links): Arne Biemann, Geschäftsführer Badenia Medienhaus, Michael Drescher, katholischer Seelsorger, Tarza Marouf, muslemische Seelsorgerin und Andreas Walter, Besuchsbereichsleiter JVA Karlsruhe.
„Der Kalender bietet einen guten Anknüpfungspunkt, um über den Glauben zu sprechen“, sagt der Gefängnisseelsorger. Der Adventskalender solle zudem dazu beitragen, dass Gefangene in den Justizvollzugsanstalten die besondere Zeit des Advents erfahren.
Dank der finanziellen Unterstützung der Gemeinschaftsstiftung der Erzdiözese Freiburg konnte das Badenia Medienhaus zu Beginn der Adventszeit knapp 400 Adventskalender acht Gefängnisseelsorgern im gesamten Erzbistum Freiburg kostenlos zur Verfügung stellen. In Singen, Freiburg oder Mannheim steht bzw. liegt in diesen Tagen in vielen Gefängniszellen der Adventskalender.
Die Hälfte aller Strafgefangenen in Baden-Württemberg haben keinen deutschen Pass
„Die Empfänger sollen spüren, dass sie auch im Strafvollzug als Menschen mit Hoffnung und Zukunft wahrgenommen werden“, betont Michael Drescher, als seit 20 Jahren in der JVA Karlsruhe aktiv ist. Seit zwei Jahren arbeitet mit Tarza Marouf auch eine muslimische Gefängnisseelsorgerin an seiner Seite. Mittlerweile haben mehr als die Hälfte aller Strafgefangenen in Baden-Württemberg keinen deutschen Pass. „Die Verständigung ist eine große Schwierigkeit“, weiß Tarza Marouf. Der überwiegende Teil der Gefangenen ist muslimisch. Das hält viele jedoch nicht davon ab, in den katholischen Gottesdienst zu kommen.
Heiligabend feiern die Insassen der JVA Karlsruhe konfessionsübergreifend mit einer gemeinsamen Bescherung. Muslimische Feiertage wie beispielsweise das Zuckerfest am Ende des Fastenmonats Ramadan werden ebenfalls gemeinsam begangen.
Andreas Walter, der als Besuchsbereichsleiter tagtäglich mitbekommt, wie schwer es besonders in der Adventszeit auch für die Familienangehörigen ist, wenn der Mann in Untersuchungshaft sitzt, weiß um die wichtige Aufgabe der Seelsorger und Seelsorgerinnen. In der Außenstelle Rastatt gibt es mittlerweile sogar einen „Gebetstreff der Regionen“. Für die Strafgefangenen sei der Glaube eine wichtige Stütze, erklärt Walter, und damit auch hilfreich für die Resozialisierung.
Für die Gemeinschaftsstiftung war die Unterstützung der Gefängnisseelsorge eine Herzensangelegenheit. Bereits zum dritten Mal beteiligte sich die Stiftung an der Finanzierung, um so die Gefängnisseelsorge zu stärken.