Die Veränderungen als Chance nutzen

24.01.2024 |

Die „Kirchenentwicklung 2030“ hat nun 36 neue Gesichter. Am Wochenende wurden die Namen der leitenden Pfarrer der künftigen Kirchengemeinden veröffentlicht.  Das Konradsblatt hat fünf von ihnen zu ihrer neuen Aufgabe befragt.

Markus Miles
Parrer Markus Miles, zukünftiger Leiter der Pfarrei Karlsruhe, St. Stephan:
Warum haben Sie sich beworben?
Den dringend überfälligen und damit auch in unserer Erzdiözese notwendigen Transformationsprozesse sehe ich – nebst allen verständlichen Befürchtungen und Herausforderungen – als große Chance. Diese Chance möchte ich gerne engagiert und verantwortungsbewusst mitgestalten. Karlsruhe bietet hier unter anderem im Blick auf das Zusammenwirken im interkonfessionellen und interreligiösen Kontext sowie in die vielschichtige Stadtgesellschaft hinein immense Möglichkeiten. Daher die Bewerbung auf Karlsruhe; bei auch aller Vorfreude auf den städtischen Kontext und die kulturellen Möglichkeiten in dieser Stadt.
Was wird in Ihren Augen die größte Herausforderung sein?
Im Blick auf die Kirche der Zukunft – auch bezüglich des Mitgliederschwunds und des Vertrauensverlusts – braucht es eine Konzentrierung und Stärkung der Themen und Inhalte, für die wir stehen. Diese Konzentrierung und Schwerpunktsetzung möge bitte nicht verwechselt werden mit einer ausschließlich lokalen Zentrierung mit der Angst, dass den Menschen vor Ort etwas genommen wird. Und dennoch: Es bleibt die große Herausforderung des Spannungsverhältnisses zwischen Konzentrierung und gemeindlich gewachsener Substruktur bei schwindenden personellen und finanziellen Ressourcen.   

Michael Gartner
Pfarrer Michael Gartner, zukünftiger Leiter der Pfarrei Mosbach-Neckarelz, St. Maria:
Warum haben Sie sich beworben?
Gesellschaft und Kirche verändern sich rasant. Die Kirche spielt für viele Menschen keine Rolle mehr. Dieser Veränderung kann man tatenlos zusehen – oder aber sie als Chance zu nutzen, um die Frohe Botschaft auch heute erfahrbar für die Menschen zu machen. Es reizt mich, an diesem Prozess aktiv mitzuwirken.
Was wird in Ihren Augen die größte Herausforderung sein?
Der demografische Wandel, geringere finanzielle Möglichkeiten oder die schwindende Kirchenbindung der Menschen führt dazu, dass manch Liebgewordenes in Gemeinden nicht fortgeführt werden kann. Das wird bei Gläubigen zu Enttäuschung und Schmerz führen. Dies mit auszuhalten wird nicht leicht werden. 

Stefan Meisert
Dekan Stefan Meisert, zukünftiger Leiter der Pfarrei Offenburg, Heilig Kreuz:
Warum haben Sie sich beworben?
Ich habe Freude am Gestalten und Entwickeln; in den letzten Jahren habe ich in unterschiedlichen Fortbildungen, vor allem in verschiedenen Kontexten zum Thema Leiten gearbeitet und Erfahrungen gemacht, die ich in die neue Aufgabe einbringen kann und will.
Was wird in Ihren Augen die größte Herausforderung sein?
Als Kirche stehen wir als Teil der Gesellschaft mitten in großen Umbruchsprozessen. Es wird die Frage sein, wie wir als Kirche anschlussfähig sind an die Bedarfe und Bedürfnisse der Menschen unserer Tage. Kirche ist nicht Selbstzweck, sondern hat einen Auftrag für die Menschen. Diesem nachzukommen, statt allzu häufig Nabelschau zu halten bei den sich verändernden Rahmenbedingungen halte ich für herausfordernd und gleichzeitig wegweisend für die Kirche der Zukunft.
 
Lukas Wehrle
Pfarrer Lukas Wehrle, zukünftiger Leiter der Pfarrei Bad Krozingen, St. Alban:
Warum haben Sie sich beworben?
Es war ein langer Prozess bis zur Entscheidung, mich zu bewerben. Ich habe vor der künftigen Aufgabe einen riesigen Respekt. Das konstruktive und sehr kreative Miteinander in der Projektleitung und insgesamt im Dekanat haben mich schließlich zur Bewerbung motiviert. 
Was wird in Ihren Augen die größte Herausforderung sein?
Es werden große Herausforderungen im Bereich der Organisation und der Verwaltung auf uns zu kommen; ebenso bei inhaltlichen Themen bei manchmal sehr unterschiedlichen Zielen. Vieles wird Zeit brauchen und sich erst schrittweise klären. Die größte Herausforderung aber sehe ich darin, wie wir die so großartige Botschaft des Evangeliums heute leben und weitertragen und wie es uns miteinander gelingt, dafür auch ungewohnte Wege zu gehen und neue Räume zu öffnen. 

Matthias Zimmermann
Dekan Matthias Zimmermann, zukünftiger Leiter der Pfarrei Markdorf, St. Nikolaus:
Warum haben Sie sich beworben?
Die Bodenseeregion ist meine Heimat in der ich viele berufliche und private Beziehungen habe. Eine Bewerbung für den Hegau war - nach den neuen Vorgaben – nicht möglich. Meine guten Erinnerungen an meine Vertretungszeit in Meersburg haben mich für die Bewerbung motiviert.
Was wird in Ihren Augen die größte Herausforderung sein?
Möglichst vielen Menschen die Befürchtungen und Ängste vor dem Neuen zu nehmen. Bewährte Traditionen bewahren und gleichzeitig den Glauben neu genießen, verkosten und anbieten.