Prophetische Kraft
04.02.2025 |
Bereits seit den späten 1940-er Jahren sind die Gedanken, die Delp in den Wochen zwischen seiner Verurteilung zum Tod am 11. Januar 1945 und der Vollstreckung des Urteils im Gefängnis niederschrieb unter dem Titel „Im Angesicht des Todes“ in immer neuen Auflagen erschienen. Sie erfuhren große Aufmerksamkeit, gerieten dann wieder etwas in Vergessenheit um aus diesem oder jenem Anlass wieder neu entdeckt zu werden.
Ein solcher Anlass ist auch jetzt. Natürlich wegen des 80. Todestags Alfred Delps. Aber auch deshalb, weil ganz aktuell schärfer denn je die Frage nach der Rolle des Christentums, nach der Gestalt der Kirchen und nach dem Zeugnis des persönlichen Christseins im Raum steht. Neben anderen Themen hat eben diese Frage Alfred Delp in der Todeszelle massiv umgetrieben. Und an diesem Punkt muten seine Texte geradezu prophetisch an. Er stellt fest, dass das „Schicksal der Kirchen“ künftig nicht mehr von dem abhängen wird, „was ihre Prälaten und führenden Instanzen an Klugheit, Gescheitheit, ‚politischen Fähigkeiten‘ usw. aufbringen. Auch nicht von den ‚Positionen‘, die sich Menschen aus ihrer Mitte erringen konnten“, so Delp. „Das alles ist überholt.“ Er fordert eine Rückkehr der Kirchen zur Diakonie, „in den Dienst der Menschheit“. Und: „Weg von der Anmaßung zur Ehrfurcht“. Auf jegliche Verbindung von Thron und Altar müsse verzichtet werden zugunsten einer „eigenen inneren Lebendigkeit“.
Die Aktualität der Texte Alfred Delps zum „Schicksal der Kirchen“
Am 2. Februar jährte sich zum 80. Mal der Todestag des in Mannheim geborenen und von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee ermordeten Jesuiten Alfred Delp. Ähnlich wie der kürzlich selig gesprochene Max Josef Metzger hatte sich Delp aus Sicht der Nationalsozialisten des Hochverrats schuldig gemacht. Alles spricht dafür, dass auch er, wie kürzlich Max Josef Metzger, bald selig gesprochen wird.
Bereits seit den späten 1940-er Jahren sind die Gedanken, die Delp in den Wochen zwischen seiner Verurteilung zum Tod am 11. Januar 1945 und der Vollstreckung des Urteils im Gefängnis niederschrieb unter dem Titel „Im Angesicht des Todes“ in immer neuen Auflagen erschienen. Sie erfuhren große Aufmerksamkeit, gerieten dann wieder etwas in Vergessenheit um aus diesem oder jenem Anlass wieder neu entdeckt zu werden.
Ein solcher Anlass ist auch jetzt. Natürlich wegen des 80. Todestags Alfred Delps. Aber auch deshalb, weil ganz aktuell schärfer denn je die Frage nach der Rolle des Christentums, nach der Gestalt der Kirchen und nach dem Zeugnis des persönlichen Christseins im Raum steht. Neben anderen Themen hat eben diese Frage Alfred Delp in der Todeszelle massiv umgetrieben. Und an diesem Punkt muten seine Texte geradezu prophetisch an. Er stellt fest, dass das „Schicksal der Kirchen“ künftig nicht mehr von dem abhängen wird, „was ihre Prälaten und führenden Instanzen an Klugheit, Gescheitheit, ‚politischen Fähigkeiten‘ usw. aufbringen. Auch nicht von den ‚Positionen‘, die sich Menschen aus ihrer Mitte erringen konnten“, so Delp. „Das alles ist überholt.“ Er fordert eine Rückkehr der Kirchen zur Diakonie, „in den Dienst der Menschheit“. Und: „Weg von der Anmaßung zur Ehrfurcht“. Auf jegliche Verbindung von Thron und Altar müsse verzichtet werden zugunsten einer „eigenen inneren Lebendigkeit“.
Natürlich entspringt die Klarheit dieser Texte auch der existentiellen Situation des Todeskandidaten Alfred Delp. Aber das ändert nichts an ihrer prophetischen Kraft. „Rezepte“ für eine Erneuerung des kirchlichen Lebens vermitteln sie nicht. Aber eine veränderte Haltung. Den Mut, die rasante Entkirchlichung ehrlich wahrzunehmen und nicht durch oberflächliche Betriebsamkeit zu übertünchen, die Attitüden des „Belehrenden“ gegenüber der Gesellschaft abzulegen, Konzepte und Reformprogramme hintanzustellen zugunsten dessen, was Alfred Delp „personale Verlebendigung“ nennt: die stetige Arbeit an der eigenen Umkehr und Glaubwürdigkeit.
Michael Winter