Heilsames Erbe

02.05.2024 |

Die Entscheidung zur Organspende hat gute Gründe

Was soll bleiben, wenn ich gehe? Vielen Menschen ist es ein Anliegen, am Ende ihres Lebens etwas Bleibendes zu hinterlassen. Wenn es um ihr Testament geht, beziehen nicht wenige Menschen jene Gruppen und Organisationen in ihre Überlegungen ein, deren Arbeit sie zu Lebzeiten für sinnvoll erachtet und finanziell unterstützt haben. Wer den persönlichen Nachlass regelt, hat die Chance, die Gesundheit und Zukunft von Menschen positiv zu beeinflussen: Erbschaften und Vermächtnisse versetzen Organisationen in die Lage, schnell und effektiv überall dort Nothilfe zu leisten, wo sie gebraucht wird; ihre Arbeit wird längerfristig planbar. Ein „Letzter Wille“ kann damit weit mehr sein als eine finanzielle Unterstützung, nämlich ein Versprechen, dass auch in Zukunft die Schöpfung bewahrt und damit auch Menschenleben gerettet werden können.

Bei der Entscheidung für eine mögliche Organspende sieht das nicht anders aus: Wer zu Lebzeiten eine entsprechende Verfügung trifft, erklärt sich bereit, dass im Todesfall die eigenen Organe für eine Übertragung (Transplantation) entnommen und an passende Patientinnen und Patienten vermittelt werden können, die auf ein Organ warten.

Für eine schriftlich abgefasste Erklärung zur Spendenbereitschaft gibt es viele Beweggründe, nicht zuletzt den, dankbar auf das eigene Gesundsein zu blicken. Was alles andere als selbstverständlich ist: Mehr als 8000 Menschen warten hierzulande auf eine Transplantation. Weil die Funktion der eigenen Organe gestört ist: aus erblich bedingten Schäden oder durch erworbene Stoffwechselerkrankungen, auch Ansteckung kann ein Grund sein. Die Transplantationsmedizin ist in der Lage, (manche) Auswirkungen dieser unterschiedlichen Erkrankungen durch eine Organtransplantation zu beheben. Meine Organspende kann also Leben retten!

Die gedankliche Auseinandersetzung mit dem Tod ist für viele Menschen von der Sorge bestimmt, die Liebsten irgendwann zurücklassen zu müssen. Der Abschied ist unvermeidlich und das Wissen darum schmerzhaft wie nichts anderes. Die Vorstellung, ein heilsames Erbe zu hinterlassen und dadurch – beispielsweise einer Nierenkranken – ein vielleicht unbeschwertes Leben zu ermöglichen, ist vor dem Hintergrund der medizinischen Kunst faszinierend. Und vor der Folie der Sterblichkeit vielleicht tröstlich.
 
Brigitte Böttner