Hoffnungsträger

15.05.2025 |

Papst Leo XIV. wird das Erbe von Franziskus bewahren

„Seine Stimme wird fehlen.“ Unzählige Male war dieser Satz nach dem zwar nicht gänzlich überraschenden, aber doch plötzlichen Tod von Papst Franziskus zu lesen und zu hören. Und das weit über katholische Kreise hinaus.
 
Diese Stimme eines Mahners in der Welt, der – nur Gott und dem Evangelium verpflichtet – wenn nötig auch die Mächtigsten rügte und den Armen, Wehrlosen und Entrechteten seine Stimme lieh. Wurde Franziskus im Laufe der Jahre auch immer weniger gehört, bis seine Stimme am Ostersonntag nur noch schwach zu vernehmen war, um schließlich – zumindest auf dieser Welt – für immer zu verstummen, so blieb der wohltuende Kontrast dieses bescheidenen Mannes in Weiß zu den erstarkenden autokratischen weltlichen Herrschern doch unvermindert bis zum Ende bestehen. Mag Franziskus manche deutsche Reformhoffnung auch enttäuscht haben, wie er durch seine ganze Art zu leben Gottes Liebe und Barmherzigkeit predigte – das wird bleiben.
 
Große Einstimmigkeit zwischen Franziskus und Leo XIV.
 
Mindestens eine große Erleichterung, wenn nicht gar Begeisterung dürften nun all die verspüren, die gerade auch um diese besondere päpstliche Präsenz in der Welt trauerten, mögen sie der Kirche nahestehen oder nicht. Denn schon nach den ersten Auftritten von Leo XIV. wurde deutlich, dass im Hinblick auf ihren weltpolitischen Kurs große Einstimmigkeit zwischen den beiden Päpsten herrscht.
 
Wenn nach und nach natürlich auch Verschiedenheiten der beiden Kirchenführer offenbar werden, so eint sie doch schon jetzt der eindringliche Ruf nach Frieden, die Ablehnung jeglicher Gewalt, das Engagement für Migranten und die Hinwendung zu den Armen und Schwachen. Die tiefe Wertschätzung Leos in diesen Fragen Papst Franziskus gegenüber, brachte dieser bereits mehrfach in Worten und Gesten zum Ausdruck, seine „Erbschaft“ werde er mit neuem Geist weiterführen.
 
Dabei erfährt die zwar noch ungewohnte, aber klare Stimme des neuen Pontifex gerade in diesen Anfangstagen seines Pontifikats besondere Aufmerksamkeit. Schnell war deutlich: Da steht ein neuer Hoffnungsträger für die Welt am Fenster des Apostolischen Palasts im Vatikan, der wie Franziskus und auch dessen Vorgänger im Dienst der Nächstenliebe und Menschlichkeit unterwegs sein wird und seine Stimme dürfte – auch jenseits des Atlantiks – schwerlich zu überhören sein. So einen Hoffnungsträger kann die Welt gerade mehr als brauchen.
 
Kirsten Zimmerer