Weil's gut tut

01.04.2025 |

Nicht nur Zumutung: Auch junge Leute begeistern sich fürs Fasten

Der Ramadan ist vorbei, hinter den Menschen muslimischen Glaubens liegen 30 entbehrungsreiche Fastentage. Mit dem Fest des Fastenbrechens, arabisch Eid al-Fitr und im Deutschen auch als Zuckerfest bezeichnet, hat die Zeit des strengen Verzichts ein Ende. Für die Christen ist es noch nicht ganz so weit, sie haben ja auch zehn Fastentage mehr.
Die Feier zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan gehört zu den Höhepunkten im muslimischen Festjahr. In Deutschland bekommen muslimische Schülerinnen und Schüler dafür inzwischen schulfrei. Was mit Blick auf die in Artikel 4 Grundgesetz verankerte „unverletzliche Freiheit des Glaubens, des Gewissens und des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses“ (4. 1) nur konsequent ist, die „ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet“ (4. 2). Fasten verbindet, das trifft wohl für alle religiösen Bekenntnisse zu, gemeinsamer Verzicht stiftet Solidarität. Im Christentum wie im Islam rücken die Mitmenschen näher in den Blick, was sich in bewusst geübten Werken der Barmherzigkeit wie Almosen und Dienst am Nächsten ausdrückt. 
Interessant erscheint, was jüngst eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zutage förderte: Besonders jüngere Menschen halten in der Fastenzeit durch und verzichten am ehesten bewusst auf Annehmlichkeiten. Zum Beispiel, indem der Genuss von Wurst und Fleisch den Sonntagen vorbehalten ist, die ja bekanntlich nicht als Fastentage gelten. Am Tag des Herrn darf entspannt und gefeiert werden. Zehn Prozent der 18- bis 24-Jährigen erklärten, sie würden ihre Vorsätze bis zur Osternacht durchhalten. Das ist schonmal beeindruckend. Die Jugend von heute widerlegt das ebenso unfaire wie ungeprüfte Vorurteil nicht weniger älterer Zeitgenossen, es sei ihnen nichts zuzumuten. Was, klar, früher angeblich anders gewesen sei ...
Der Blick in die Gesellschaft lässt andere Schlüsse zu: Zeitweiliger Verzicht ist auch bei weniger religiös gestimmten Leuten durchaus en vogue und regelmäßig angesagt. Das beginnt mit dem alkoholfreien Januar, der viele auch ins Fitness-Studio lockt, und endet längst nicht mit den verschiedenen Heilfastenmethoden aus gesundheitlichen Gründen.
Fasten tut gut, das machen die Religionen vor. Bei Jesus hat der bewusste Verzicht dazu beigetragen, dass er nach 40 Wüstentagen mit einer Frohbotschaft zurückkam ...
Brigitte Böttner