Katholische Positionen
19.02.2025 |
Natürlich braucht es für eine adäquate Bewertung der amerikanischen Migrationspolitik einen differenzierten Blick: zum einen auf die schwierige Situation insbesondere entlang der mexikanischen Grenze und die Überforderung der dortigen Kommunen und Einrichtungen, zum anderen aber natürlich auch auf die Lage der aktuell weit über elf Millionen Menschen, die ohne gültige Papiere in den USA leben. Sie gelten als „illegal“, obwohl sehr viele von ihnen insbesondere in der Landwirtschaft längst unverzichtbar sind und sogar Sozialversicherungsbeiträge bezahlen, ohne davon zu profitieren. Ganz zu schweigen davon, dass die Einwanderer jedes Jahr mehr als 160 Milliarden Dollar in ihre Herkunftsländer überweisen. Eine kaum zu überschätzende Form der Entwicklungshilfe.
Für die nüchterne Beurteilung der Situation sind solche Details wichtig. Im Vordergrund steht aber inzwischen ein anderer Aspekt: Aus christlicher Sicht ist es geradezu verstörend, wie kalt und empathielos sich nicht nur Trump, sondern auch und gerade sein Vizepräsident J. D. Vance oder der Grenzschutzbeauftragte Tom Homan zu diesen Fragen äußern. Dies gilt deshalb, weil letztere, ebenso wie nicht wenige andere wichtige Akteure der neuen US-Administration nicht müde werden, sich als bekennende Katholiken zu bezeichnen.
Hier liegt auch einer der Gründe dafür, dass sich Papst Franziskus persönlich in die Debatte einmischte. Mit einem Brief an die US-Bischofskonferenz, in dem er sich unter anderem ausdrücklich gegen die Gleichsetzung von Migranten ohne gültige Papiere mit Kriminellen wendet und die Achtung der Menschenwürde der Geflüchteten und deren Familien einfordert.
Franziskus geht es in erster Linie um die Menschen. Aber gleichzeitig will er in dieser Situation alles tun, um den Eindruck zu vermeiden, dass die Positionierung konservativer Katholiken in der Trump-Administration die „gängige“ oder gar offizielle katholische Haltung widerspiegelt. Dafür kann man ihm nur dankbar sein. Darüber hinaus wäre noch zu erwähnen, dass es sich bei denjenigen, deren massenhafte Abschiebung ein Katholik wie Vance fordert, größtenteils um Menschen aus Mexiko, Mittel- und Südamerika handelt – und demnach selbst um Katholiken.
Der Brief des Papstes an die US-Bischöfe kommt zur rechten Zeit
Er werde „Millionen und Abermillionen“ irregulärer Migranten abschieben, so kündigte es US-Präsident Donald Trump bei seiner Amtseinführung an. Und angesichts der Maßnahmen, die von der neuen US-Regierung inzwischen getroffen wurden, gibt es keinen Grund, an der Ernsthaftigkeit dieser Ankündigung zu zweifeln.
Natürlich braucht es für eine adäquate Bewertung der amerikanischen Migrationspolitik einen differenzierten Blick: zum einen auf die schwierige Situation insbesondere entlang der mexikanischen Grenze und die Überforderung der dortigen Kommunen und Einrichtungen, zum anderen aber natürlich auch auf die Lage der aktuell weit über elf Millionen Menschen, die ohne gültige Papiere in den USA leben. Sie gelten als „illegal“, obwohl sehr viele von ihnen insbesondere in der Landwirtschaft längst unverzichtbar sind und sogar Sozialversicherungsbeiträge bezahlen, ohne davon zu profitieren. Ganz zu schweigen davon, dass die Einwanderer jedes Jahr mehr als 160 Milliarden Dollar in ihre Herkunftsländer überweisen. Eine kaum zu überschätzende Form der Entwicklungshilfe.
Für die nüchterne Beurteilung der Situation sind solche Details wichtig. Im Vordergrund steht aber inzwischen ein anderer Aspekt: Aus christlicher Sicht ist es geradezu verstörend, wie kalt und empathielos sich nicht nur Trump, sondern auch und gerade sein Vizepräsident J. D. Vance oder der Grenzschutzbeauftragte Tom Homan zu diesen Fragen äußern. Dies gilt deshalb, weil letztere, ebenso wie nicht wenige andere wichtige Akteure der neuen US-Administration nicht müde werden, sich als bekennende Katholiken zu bezeichnen.
Hier liegt auch einer der Gründe dafür, dass sich Papst Franziskus persönlich in die Debatte einmischte. Mit einem Brief an die US-Bischofskonferenz, in dem er sich unter anderem ausdrücklich gegen die Gleichsetzung von Migranten ohne gültige Papiere mit Kriminellen wendet und die Achtung der Menschenwürde der Geflüchteten und deren Familien einfordert.
Franziskus geht es in erster Linie um die Menschen. Aber gleichzeitig will er in dieser Situation alles tun, um den Eindruck zu vermeiden, dass die Positionierung konservativer Katholiken in der Trump-Administration die „gängige“ oder gar offizielle katholische Haltung widerspiegelt. Dafür kann man ihm nur dankbar sein. Darüber hinaus wäre noch zu erwähnen, dass es sich bei denjenigen, deren massenhafte Abschiebung ein Katholik wie Vance fordert, größtenteils um Menschen aus Mexiko, Mittel- und Südamerika handelt – und demnach selbst um Katholiken.
Michael Winter