Misstrauensvorschuss
11.02.2025 |
Aber ganz unabhängig davon, wie dieser konkrete Fall zu bewerten ist: Die Sache weist weit darüber hinaus auf eine tiefgreifende Veränderung, die sich in der Kirche vollzogen hat und die noch nicht an ihr Ende gekommen ist: Die Autorität des kirchlichen Amtes ist in eine tiefe Krise geraten. Sie ist am Zerbröseln. Ist bald nicht mehr viel davon übrig?
Im Konflikt um die Dommusik wurde, auch medial, zunächst fast durchgängig unterstellt, dass die getroffene Entscheidung nichts anderem entspringe, als dem Machtgebaren der kirchlichen Amtsträger und der „klerikalen Willkür“ der Bistumsleitung. Gegen diese Willkür wurde dann demonstriert – bis hin zur Rücktrittsforderung an den Erzbischof. Das zeigt: Wo Amtsträgern früher so etwas wie ein Vertrauensvorschuss entgegenkam, müssen sie jetzt lernen, mit einem Misstrauensvorschuss umzugehen, der längst in der Mitte des kirchlichen Milieus verankert ist.
Zunächst gilt: Nach all den Erkenntnissen der vergangenen 20 Jahre über Missbrauch und Gewalt ist eine solche Entwicklung nachvollziehbar und in gewisser Weise sogar zu begrüßen. Das Misstrauen, das an die Stelle einer unkritischen, zuweilen devoten Haltung gegenüber Amtsträgern getreten ist, hat in hohem Maße dazu beigetragen, Machtgebaren, Anmaßung und tatsächliche klerikale Willkür zu entlarven und zu stoppen.
Trotzdem erscheint auch die Frage berechtigt, ob das Pendel inzwischen nicht zu sehr in die andere Richtung ausschlägt. Ob nicht Misstrauen und mitunter auch Zynismus in einer problematischen Weise Raum greifen. Mit der Folge, dass Verantwortliche unter eine Art Generalverdacht gestellt werden, was wiederum ein selbstverständliches und unverkrampftes Miteinander verhindert.
Vielleicht wäre das die Richtschnur für den Umgang mit strittigen Themen und untereinander: Alle Akteure des kirchlichen Lebens, ob „oben“ oder „unten“, unterstellen sich zunächst gegenseitig, dass jeder und jede von ihnen grundsätzlich das Gute und Richtige für alle will und nicht klammheimlich ein Ziel verfolgt, das anderen schadet. Eigentlich ist das selbstverständlich. In Zeiten wie diesen muss es aber neu in Erinnerung gerufen werden.
Die Autorität des kirchlichen Amtes ist in einer tiefen Krise
Es gab in den letzten Jahrzehnten im Erzbistum Freiburg kaum einen Konflikt, der so hohe Wellen schlug wie die Kündigung des langjährigen Domkapellmeisters. Zuletzt waren nach Wochen harter und lauter Kritik an der Bistumsleitung vermehrt differenziertere Stimmen zu hören und andere Sichtweisen ins Spiel gekommen.
Aber ganz unabhängig davon, wie dieser konkrete Fall zu bewerten ist: Die Sache weist weit darüber hinaus auf eine tiefgreifende Veränderung, die sich in der Kirche vollzogen hat und die noch nicht an ihr Ende gekommen ist: Die Autorität des kirchlichen Amtes ist in eine tiefe Krise geraten. Sie ist am Zerbröseln. Ist bald nicht mehr viel davon übrig?
Im Konflikt um die Dommusik wurde, auch medial, zunächst fast durchgängig unterstellt, dass die getroffene Entscheidung nichts anderem entspringe, als dem Machtgebaren der kirchlichen Amtsträger und der „klerikalen Willkür“ der Bistumsleitung. Gegen diese Willkür wurde dann demonstriert – bis hin zur Rücktrittsforderung an den Erzbischof. Das zeigt: Wo Amtsträgern früher so etwas wie ein Vertrauensvorschuss entgegenkam, müssen sie jetzt lernen, mit einem Misstrauensvorschuss umzugehen, der längst in der Mitte des kirchlichen Milieus verankert ist.
Zunächst gilt: Nach all den Erkenntnissen der vergangenen 20 Jahre über Missbrauch und Gewalt ist eine solche Entwicklung nachvollziehbar und in gewisser Weise sogar zu begrüßen. Das Misstrauen, das an die Stelle einer unkritischen, zuweilen devoten Haltung gegenüber Amtsträgern getreten ist, hat in hohem Maße dazu beigetragen, Machtgebaren, Anmaßung und tatsächliche klerikale Willkür zu entlarven und zu stoppen.
Trotzdem erscheint auch die Frage berechtigt, ob das Pendel inzwischen nicht zu sehr in die andere Richtung ausschlägt. Ob nicht Misstrauen und mitunter auch Zynismus in einer problematischen Weise Raum greifen. Mit der Folge, dass Verantwortliche unter eine Art Generalverdacht gestellt werden, was wiederum ein selbstverständliches und unverkrampftes Miteinander verhindert.
Vielleicht wäre das die Richtschnur für den Umgang mit strittigen Themen und untereinander: Alle Akteure des kirchlichen Lebens, ob „oben“ oder „unten“, unterstellen sich zunächst gegenseitig, dass jeder und jede von ihnen grundsätzlich das Gute und Richtige für alle will und nicht klammheimlich ein Ziel verfolgt, das anderen schadet. Eigentlich ist das selbstverständlich. In Zeiten wie diesen muss es aber neu in Erinnerung gerufen werden.
Michael Winter