Es braucht Argumente
24.05.2024 |
In den meisten evangelischen, anglikanischen, altkatholischen Kirchen und anderen christlichen Gemeinschaften wurde im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts die Zulassung „weiblicher Kandidaten“(!) zu den geistlichen Ämtern eingeführt. Doch bis heute ist die Ordination von Frauen ein kontroverses Thema geblieben, in der Ökumene, innerhalb einzelner Kirchen oder Kirchengemeinschaften. In manchen Kirchen sind Frauen nur zu bestimmten Ämtern zugelassen. Dazu bräuchte es Argumente – und das schon seit langer Zeit.
Worauf Hollerich hinweisen, wovor er warnen will mit seiner Mahnung und dem Appell, in der „Frauenfrage“ brauche es „Taktgefühl und Geduld, wenn man wirkliche Lösungen haben möchte“, liegt auf der Hand. Manchen geht es einfach zu schnell mit den Veränderungen in Kirche (und Gesellschaft), das schiere Tempo des Wandels befeuert Ängste und führt zu Abwehrreflexen. Das ist nachvollziehbar, denn Veränderung bedeutet immer Risiko. Wenn Vertrautes schwindet, vermeintliche „Sicherheiten“ einreißen, stabile Einrichtungen brüchig werden, reagiert der Mensch annähernd instinktiv mit Flucht und/oder Angriff – die angeblich „beste Verteidigung“.
Für die überfällige Öffnung von Ämtern und Diensten im Sinne Jesu sind genug Worte gewechselt. Frauen, und mehr und mehr auch Männer, wollen Taten sehen – und zwar zu Lebzeiten (der Verfasserin). In der Gemeinschaft der „Herausgerufenen“ (griechisch: ekklesia) soll es doch „nicht so sein“ wie bei den Mächtigen der Welt (Lukas 22, 25f). Wir sind (heraus-)gerufen, neu zu denken.
... aber nicht mehr für, sondern gegen die Frauenweihe
„Es braucht Argumente und Zeit.“ Wer die Diskussion um die Ämterfrage (nicht nur) in der katholischen Kirche verfolgt, wird diesen Satz als blanken Hohn empfinden, zumal von einer theologischen Kapazität wie Jean-Claude Hollerich. Der Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) und Generalrelator der Bischofssynode dürfte wissen, wie viel Wasser schon den Jordan hinuntergeflossen ist, seit über den Zugang von Frauen und Nichtzölibatären zu den Weihesakramenten diskutiert wird. Die Frage von „Frauen im Amt“ ist ja keine spezifisch „römisch-katholische“: auch in den christlichen Schwesterkirchen, in den Weltreligionen, in Politik und Gesellschaft wurde und wird die Fähigkeit von Frauen angezweifelt, Macht auszuüben und Einfluss zu nehmen.
In den meisten evangelischen, anglikanischen, altkatholischen Kirchen und anderen christlichen Gemeinschaften wurde im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts die Zulassung „weiblicher Kandidaten“(!) zu den geistlichen Ämtern eingeführt. Doch bis heute ist die Ordination von Frauen ein kontroverses Thema geblieben, in der Ökumene, innerhalb einzelner Kirchen oder Kirchengemeinschaften. In manchen Kirchen sind Frauen nur zu bestimmten Ämtern zugelassen. Dazu bräuchte es Argumente – und das schon seit langer Zeit.
Worauf Hollerich hinweisen, wovor er warnen will mit seiner Mahnung und dem Appell, in der „Frauenfrage“ brauche es „Taktgefühl und Geduld, wenn man wirkliche Lösungen haben möchte“, liegt auf der Hand. Manchen geht es einfach zu schnell mit den Veränderungen in Kirche (und Gesellschaft), das schiere Tempo des Wandels befeuert Ängste und führt zu Abwehrreflexen. Das ist nachvollziehbar, denn Veränderung bedeutet immer Risiko. Wenn Vertrautes schwindet, vermeintliche „Sicherheiten“ einreißen, stabile Einrichtungen brüchig werden, reagiert der Mensch annähernd instinktiv mit Flucht und/oder Angriff – die angeblich „beste Verteidigung“.
Für die überfällige Öffnung von Ämtern und Diensten im Sinne Jesu sind genug Worte gewechselt. Frauen, und mehr und mehr auch Männer, wollen Taten sehen – und zwar zu Lebzeiten (der Verfasserin). In der Gemeinschaft der „Herausgerufenen“ (griechisch: ekklesia) soll es doch „nicht so sein“ wie bei den Mächtigen der Welt (Lukas 22, 25f). Wir sind (heraus-)gerufen, neu zu denken.
Brigitte Böttner