Die "Reerdigung" könnte in Schleswig-Holstein als erstem Bundesland bald dauerhaft erlaubt sein. Die Kirchen sehen darin eine "würdige Form" des Abschiednehmens.
Die sogenannte Reerdigung soll in Schleswig-Holstein dauerhaft erlaubt werden – katholische und evangelische Kirche unterstützen die neue Bestattungsform.
Die geplante Einführung der sogenannten Reerdigung als neue Bestattungsform in Schleswig-Holstein stößt bei den großen Kirchen in Norddeutschland auf Zustimmung. Sowohl das katholische Erzbistum Hamburg als auch die evangelische Nordkirche bewerten das Verfahren positiv und sehen es als mit christlichen Vorstellungen vereinbar an.
"Würdige Form des Abschieds"
Die "Reerdigung" wird seit 2022 im Rahmen eines bundesweit einzigartigen Pilotprojekts in Schleswig-Holstein erprobt. Dabei wird der Leichnam in einem geschlossenen Behälter in pflanzliches Material eingebettet und innerhalb von rund 40 Tagen zu Humus umgewandelt. Die Überreste werden anschließend auf einem Friedhof beigesetzt. Anbieter des Verfahrens ist das Berliner Unternehmen Circulum Vitae, das mit geringeren CO2-Emissionen im Vergleich zur Feuerbestattung wirbt. "Wir stehen der neuen Bestattungsform grundsätzlich sehr positiv gegenüber", sagte die Vertreterin des Erzbistums Hamburg bei Landtag und Landesregierung, Beate Bäumer. Sie sei eine wirkliche Alternative zu bisherigen Bestattungsformen, so die Leiterin des Katholischen Büros Schleswig-Holstein. Nordkirchen-Bischöfin Nora Steen bezeichnete die "Reerdigung" als würdige und verantwortbare Form des Abschieds. Wichtig sei, dass die entstehende Erde auf Friedhöfen beigesetzt werde. Diese seien zentrale Orte des Gedenkens und der Trauer.
Nach mehrjähriger Erprobung will Schleswig-Holstein als erstes Bundesland die "Reerdigung" dauerhaft erlauben.
"Mit Auferstehungsglauben gut vereinbar"
Aus katholischer Sicht ist die neue Bestattungsform mit den kirchlichen Vorstellungen von Würde und Auferstehungsglauben vereinbar. Zwar bleibe die klassische Erdbestattung die bevorzugte Form, so Bäumer. Entscheidend sei jedoch ein pietätvoller Umgang mit den Verstorbenen sowie der rücksichtsvolle Umgang mit den Hinterbliebenen. Zugleich verwies sie auf die besondere Herausforderung, die Zeit zwischen der Kompostierung des Leichnams und der Bestattung der Überreste seelsorgerlich zu gestalten. Ein Sprecher der Nordkirche erklärte, theologisch gebe es im Christentum keine verbindliche Vorschrift für die Form der Bestattung. "Entscheidend ist nicht der Erhalt des irdischen Leibes, sondern die Hoffnung auf die Auferstehung, die nicht an eine bestimmte Form der Bestattung gebunden ist." Die "Reerdigung" sei eine beschleunigte Form der Erdbestattung und unterscheide sich ethisch nicht grundlegend von der Feuerbestattung.