Ruf nach zeitgemäßer Schoah-Erinnerung

27.01.2026 |

Am heutigen Holocaust-Gedenktag wird weltweit an das monströse Morden der Nazis und an Einzelschicksale von Opfern erinnert – analog und digital. Dabei wird auch der Ruf nach einer zeitgemäßen Schoah-Erinnerung laut, um nicht „in elitären Echokammern zu verharren“.

Die "#weremember"-Kampagne des World Jewish Congress will dazu beitragen, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten.
 
Am heutigen Holocaust-Gedenktag wird weltweit an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen erinnert. Auch digital gibt es Kampagnen wie etwa #WeRemember des Jüdischen Weltkongresses. Am morgigen Mittwoch findet die jährliche Gedenkstunde im Bundestag mit einer Rede der Zeitzeugin Tova Friedman aus den USA statt. Auch sie war als Kind in Auschwitz eingesperrt.
 
Erinnerung als „Herzschlag unserer demokratischen Identität“
 
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete Erinnerung als „Herzschlag unserer demokratischen Identität“. Erinnerung sei mehr als der Blick in die Vergangenheit. „Wenn wir vergessen, wer wir waren und was Deutsche getan haben, verlieren wir den Kompass dafür, wer wir sein wollen.“ Gerade in einer Zeit, in der antisemitische Ressentiments offen zutage träten, dürfe Erinnerung weder verblassen noch zu einem bloßen Ritual erstarren.
 
Weimer sprach von einer Verantwortung der Politik und Kultur, neue Wege der Vermittlung zu gehen: „Die Bundesregierung und mein Haus werden deshalb nicht nachlassen zu erinnern, zu gedenken, zu mahnen – und, das ist entscheidend, neue Formen des Erinnerns zu wagen.“ Die junge Generation habe eine besondere Bedeutung. „Es nützt nichts, in elitären Echokammern zu verharren. Wir müssen den Dialog dort führen, wo die Fragen gestellt werden.“ Wenn Desinformation und Hass auf digitalen Plattformen die Deutungshoheit gewännen, sei dies eine Gefahr für die Demokratie insgesamt.
 
„Europa muss ein sicherer Ort sein“
 
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief dazu auf, die Lehren aus der Schoah weiterzugeben. Es sei Aufgabe aller, dass das Gedenken akkurat, relevant und bedeutungsvoll bleibe. Von der Leyen rief dazu auf, ein Europa frei von Antisemitismus und jeglichen Formen des Hasses aufzubauen. „Das jüdische Leben in Europa muss gedeihen können, nicht sich verstecken. Europa muss ein sicherer Ort für Juden und Menschen aller Glaubensrichtungen sein.“ 
 
UN-Menschenrechts-Hochkommissar Volker Türk erklärte, die Geschichte des Holocaust biete eindrucksvolle Lehren. „Diese entsetzliche Grausamkeit entstand nicht in mittelalterlicher Finsternis, sondern im hellen Tageslicht einer vermeintlich modernen Gesellschaft“, so Türk in Genf. Der Völkermord an den Juden habe nicht mit Konzentrationslagern und Gaskammern begonnen, „sondern mit Apathie und Schweigen angesichts von Ungerechtigkeit und mit der zersetzenden Entmenschlichung des Anderen“. Daran müsse sich die Menschheit immer erinnern.
 
Türk erinnerte daran, dass Drohungen und Übergriffe gegen Juden in den vergangenen Jahren in beunruhigendem Maße zugenommen hätten. „Hass und Entmenschlichung schleichen sich in unser tägliches Leben ein, auch über unsere Social-Media-Feeds.“
 
KNA