Das Eis zwischen Papst Franziskus und seinem Landsmann Milei scheint zu schmelzen. Nach einer Messe im Petersdom umarmte Argentiniens Präsident den Papst überschwänglich. Und danach traf man sich zu einem auffällig langen Gespräch.
Der Papst und der Präsident – Franziskus sprach im Vatikan mit dem in Argentinien nicht unumstrittenen Staatschef Milei.
Es dauerte lange bis zum „argentinischen Moment“ bei der feierlichen Papstmesse im Petersdom. Erst nach dem Schlusssegen begab sich Papst Franziskus im Rollstuhl zu seinem Landsmann, Präsident Javier Milei, um ihn mit strahlendem Lächeln per Handschlag zu begrüßen. Milei erhob sich spontan, beugte sich weit vor und umarmte den Pontifex überschwänglich. Anschließend reichte der Papst anderen Mitgliedern der Delegation die Hand.
Die Heiligsprechung von „Mama Antula“ (1730-1799) vollzog der Papst auf Latein. In seiner Predigt würdigte er das Wirken der zu Lebzeiten nicht unumstrittenen neuen Heiligen. Sie habe gelehrt, dass jeder, der sich von Gott berühren lasse, zum Zeugen der erlösenden Liebe Gottes werden könne. Weiter sagte er: „Sie hat inmitten von materiellem und moralischem Elend unter unzähligen Schwierigkeiten alles gegeben, damit viele andere dieselben Erfahrungen machen konnten. So hat sie Tausende von Menschen einbezogen und Werke gegründet, die heute noch lebendig sind.“ Die neue Heilige wurde 1730 in Silipica im Norden Argentiniens geboren. Schon als Jugendliche begeisterte sie sich für die religiösen Übungen der Jesuiten. Als der Orden verboten wurde, widmete sie sich der Verbreitung der ignatianischen Spiritualität und zog als Wandermissionarin unter dem Namen „Mama Antula“ durchs Land.
Wandermissionarin mit Weitblick: Mama Antula.
Reist der Papst in seine Heimat?
Papst Franziskus, ließ sich an keiner Stelle zu einer „argentinischen“ Bemerkung oder Geste hinreißen. Mit solchen Symbolen wurde unterstrichen, dass die neue Heilige nun ein Vorbild für die katholische Kirche weltweit sein soll, und nicht mehr bloß eine in ihrer Heimat verehrte „Selige“. In seiner Heimat führt Mileis radikales Spar- und Reformprogramm derzeit zu politischen Spannungen und Protesten. Die meiste Aufmerksamkeit gilt der Frage, ob der Mann, der als Kardinal Bergoglio eine wichtige Figur in Argentinien war, elf Jahre nach seiner Papstwahl endlich sein Heimatland besuchen wird. Mit einer Inflation von mehr als 200 Prozent und mit Streiks und Protestwellen scheint es sich einem Abgrund zu nähern.
Franziskus und der argentinische Präsident sprachen am Tag nach der Heiligsprechung bemerkenswert lange miteinander, rund 70 Minuten. Milei habe für die Pläne seiner Regierung zur Überwindung der schweren Wirtschaftskrise geworben und dabei auch über die guten Staat-Kirche-Beziehungen gesprochen, die weiter gestärkt werden sollten.
Als Geschenk hatte Milei dem Papst unter anderem seine Lieblings-Süßigkeiten mitgebracht: In Schokolade gehüllte „Alfajores“, die mit Karamellcreme gefüllt sind. Über eine Einladung des Präsidenten wurde nichts bekannt, daher darf über eine Reise weiter gerätselt werden.