In Walldürn erreicht die Wallfahrtssaison ihren Höhepunkt – und die Erinnerungen gehen zurück an einen denkwürdigen Besuch 2004, als der damalige Generalprior der Augustiner und heutige Papst Leo XIV. an Fronleichnam in der Stadt Gottesdienst feierte und die Blumenteppiche fotografierte.
Die Konzelebranten beim Hochamt zu Fronleichnam in Walldürn 2004, Robert Prevost als Dritter von rechts.
Zwischen April und Juni weht über dem Odenwaldstädtchen Walldürn alljährlich ein besonderer Geist: Kaum ist Ostern um, erwacht das meist beschauliche Städtchen zu buntem Leben: überall Fahnen, Blumenschmuck, Musik und vor allem – viele Menschen. Die Wallfahrt zum heiligen Blut prägt.
In diesem Jahr sind diese Wochen noch von einem besonderen Gefühl des „Wir sind auch ein bisschen Papst“ durchdrungen: 21 Jahre ist es her, dass ein gewisser Robert Prevost zu den Ehrengästen der Wallfahrtszeit zählte. In den lokalen Zeitungen erinnern sich Walldürner in diesen Tagen an den Besuch des damaligen Augustiner-Generalpriors und heutigen Papstes Leo XIV. zum Fronleichnamstag. Und Bernd Stieglmeier ist plötzlich ein viel gefragter Mann. Der Journalist hatte damals den Besuch fotografisch festgehalten, seine Bilder werden derzeit kreuz und quer durch die Republik geschickt. Die Aufnahmen, die der Fotograf auch gerne dem Konradsblatt zur Verfügung stellte, zeigen einen Mann mit einem jungenhaften Lächeln und einer freundlichen Ausstrahlung, die er sich bis heute bewahrt hat, und die ihm auch auf der Loggia des Petersdoms die Herzen vieler Menschen rund um den Globus zufliegen ließ.
Dabei ist die Wallfahrt in Walldürn auch ohne diese besondere Fußnote 2025 wieder ein Riesenereignis: Denn Erzbischof Stephan Burger hatte verfügt, dass auch in der Wallfahrtsbasilika „Zum Heiligen Blut“ der Jubiläumsablass zum Heiligen Jahr gewonnen werden kann. „Somit haben alle, die sich nicht als Pilger auf den Weg nach Rom machen können, eine echte Alternative“, heißt es von der Wallfahrtsleitung in Walldürn. „Pilger der Hoffnung“ lautet das Motto des Heiligen Jahres, daran angelehnt werden die Wallfahrer in Walldürn empfangen unter dem Motto „Freut Euch in der Hoffnung“.
Robert Prevost 2004 in Walldürn mit Pater Raimund Klinke, Provinzial der Deutschen Augustiner- Provinz.
„Wir heißen alle ganz herzlich willkommen“, sagt Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula. Viel Prominenz hat sich angesagt: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, kommt, ebenso Erzbischof Stephan Burger, der das Hochamt zum Höhepunkt der Saison zelebrieren wird, dem Großen Blutfeiertag. Klitzekleiner Wermutstropfen: Eine Großbaustelle am Heimatmuseum schafft einen Engpass rund um die Wallfahrtskirche.
Der alljährlich spürbaren Freude auf die Wallfahrtszeit tut dies freilich keinen Abbruch, im Gegenteil, kommt heuer also auch noch die Verbindung mit Rom dazu: „Congratulations and many thanks“, hat Robert Prevost bei seinem Besuch 2004 ins Goldene Buch der Stadt geschrieben. Seine Predigt hielt der Generalprior damals auf Englisch, ein Assistent übersetzte fürs deutsche Kirchenvolk. Die „Fränkischen Nachrichten“ und die „Rhein-Neckar-Zeitung“ hatten damals Auszüge wiedergegeben, die Zeitungsarchive geben die zentralen Sätze verlässlich wieder, in denen der heutige Papst damals aus seiner Wahlheimat Peru berichtete.
Die Einwohner in der Diözese Chulucanas hätten damals lange keine Priester oder Missionare mehr gehabt, die sich um die Bedürfnisse der Menschen gekümmert hätten, so erzählte Prevost. Doch dessen ungeachtet hätten sie der Fronleichnamsprozession nach wie vor „große Ehre“ gegeben, so habe damals der Augustiner betont. „Wenn man das Fest vom Leib und Blut Jesu Christi zusammen feiere und gemeinsam an der Fronleichnamsprozession teilnimmt, dann geben wir ein öffentliches Zeugnis unseres christlichen Glaubens, ein Zeugnis, dass Christus wirklich unter uns weilt“, so der heutige Papst.
In Walldürn erinnert man sich daran, dass der Besucher aus Peru von den Blumenteppichen begeistert gewesen sei, die zum Fronleichnamstag auf der Strecke ausgelegt waren. Er habe mehrmals seine Kamera aus dem Ärmel geholt und fotografiert, berichtet die „Rhein-Neckar-Zeitung“.
Der Bürgermeister von Walldürn, Mikel Dörr, und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula haben nach der Wahl Leos XIV. schnell reagiert. Ein offizielles Schreiben der Stadt und der Seelsorgeeinheit liegt bereits im Vatikan. „Sie haben dem neu gewählten Papst zur Wahl gratuliert und ihn eingeladen, noch einmal nach Walldürn zu kommen“, heißt es im Rathaus. Dem Brief beigelegt wurde der Auszug aus dem Goldenen Buch der Stadt sowie Fotos der Fronleichnamsprozession und – als besondere Aufmerksamkeit – ein zusammenfaltbares Modell der Basilika aus Papier. Es ist eben jene „Basilika minor“, die nun wieder wochenlang im Mittelpunkt der Wallfahrten steht. Der „Blutaltar“ im Querhaus beherbergt das Korporale des Blutwunders, Ursprung der Wallfahrt nach Walldürn.
Auch in diesem Jahr ist die Palette der Annäherungen groß: Motorradfahrer haben die Wallfahrtsstadt angefahren und fast täglich erreichen Fahrradfahrer Walldürn. Vor allem aber sind es die Fußgruppen, die jetzt zur Hochzeit der Pilgersaison das Stadtbild prägen.
Mittendrin: die traditionsreiche Kölner Fußwallfahrt. „Zum 375. Mal machen sich Katholiken aus Köln auf den 262 Kilometer langen Weg“, berichtet Achim Dörr. Die Tradition geht zurück auf das Jahr 1648, und sie wurde selbst in den schrecklichen Tagen der Weltkriege durchgehalten. „1945 waren es nur drei Pilger, darunter auch ein Blinder, die sich auf den Weg gemacht hatten“, so Dörr. Später entwickelten sich die Pilgerzahlen rasant und erreichten 2009 ihren Höhepunkt, als rund 700 Männer und Frauen ins Badische pilgerten. „Gerade in den 1970er-Jahren waren es emotionale Momente, wenn die große Gruppe bei einbrechender Dunkelheit mit ihren brennenden roten Lichtern aus dem Wald trat und auf das Städtchen zuwanderte. „Erschöpft, aber im Glauben gestärkt“, wie Dörr schreibt, der als Chronist und Berichterstatter der Walldürner Wallfahrt eng verbunden ist. Die Kölner werden in der Basilika in diesem Jahr vom Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp begrüßt, der die Messe zelebrieren wird.
Wenn die große Wallfahrt aus Fulda und dem Eichsfeld ankommt, wird der im Erzbistum Freiburg nicht unbekannte Fuldaer Bischof Michael Gerber am Altar stehen. Erwartet werden auch Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer und der frühere Bischof von Bamberg, Ludwig Schick, viele andere Weihbischöfe und Domkapitulare, Priester und Diakone. Wer weiß, was aus ihnen einmal wird ...