Neue Entwicklung im Streit um den Freiburger Domkapellmeister: Nach den Vorkommnissen in der Christmette und dem Weihnachtsgottesdienst hat der Domfabrikfonds den Leiter der Freiburger Domsingschule, Boris Böhmann, nun fristlos freigestellt, wie die Verantwortlichen auf Nachfrage des Konradsblatts mitgeteilt haben.
In einer Stellungnahme auf Nachfrage des Konradsblatts betonte Erzbischof Stephan Burger die derzeit überaus belastende Situation für alle Beteiligten: "Die jüngsten Vorkommnisse rund um die Freiburger Dommusik treiben mich um. Sie stellen eine belastende Situation dar: für die Sängerinnen und Sänger, für die Eltern, für die Mitarbeitenden. Die Vorkommnisse gehen auch mir persönlich sehr nah."
Die nun erfolgte fristlose Freistellung, die bereits zum Jahresabschlussgottesdienst greift, sei die Reaktion auf die Ereignisse an Heiligabend und Weihnachten, bei dem Fürsprecher und Fürsprecherinnen des Domkapellmeisters die Heiligen Messen "mutwillig gestört" hätten. "Die Störungen hatten hier keinen Platz, ausgerechnet an Weihnachten. Der Leiter der Chöre hat dies mindestens gebilligt. Daraus musste der Domfabrikfonds Konsequenzen ziehen, so bitter es ist", erklärte der Erzbischof.
Stummer Protest
Auch beim Silvester-Gottesdienst kam es zu Protesten. Während der Predigt drehten etwa zehn Böhmann-Unterstützer dem Erzbischof den Rücken zu. Sie hatten Masken aufgesetzt und sich eine Hand vor den Mund gehalten. Laut SWR begleitete Sicherheitspersonal einen Protestler nach draußen. Ansonsten sei die Aktion friedlich und still verlaufen und habe den Gottesdienst im voll besetzten Münster nicht weiter gestört.
Stiller Protest gegen die Kündigung von Domkapellmeister Boris Böhmann während des Gottesdienstes an Silvester 2024
In seiner Predigt betonte der Erzbischof nochmals die "künstlerischen Qualitäten" des Domkapellmeisters, die außer Frage ständen. Burger erklärte: "Die Gründe für die Kündigung liegen in den tiefgreifenden Streitigkeiten in der Dommusik. Rechtliche Voraussetzungen unterbinden, dass der Domfabrikfonds die Gründe öffentlich benennt, so bedauerlich dies ist. Der mittlerweile so auch in der Öffentlichkeit entstandene Schaden ist für alle Beteiligten enorm. Doch nun gilt es, mit all jenen, die sich weiterhin kirchenmusikalisch engagieren wollen, nach vorne zu schauen. Die neuen Leitungen der Chorformationen stehen in dieser schwierigen Lage bereit, frischen Wind und neue Motivation zu bringen."