In Freiburg wurde der Monat der Weltmission eröffnet ...
Bischof Hanna Rahmé bei der Arbeit in seinem Weinberg in der libanesischen Kleinstadt Deir al-Ahmar.
... Bischöfe und Ordensmitglieder erzählten von ihrer Arbeit in Syrien und im Libanon. Auch die Sängerin Patricia Kelly war dabei ...
Hanna Rahmé ist ein Arbeiter nicht nur im Weinberg des Herrn. Mit geübten Griffen bindet der maronitische Erzbischof des Bistums Baalbek in der libanesischen Bekaa-Ebene junge Reben auf. Wenn Rahmé mit sonnengegerbter Haut in kniehohen Gummistiefeln und lehmverschmierter Arbeitshose im bischöflichen Gewächshaus Salat pflückt, sich im Freigehege nach frischen Eiern bückt oder im Holzofen Brot backt, hat er vor allem eines im Kopf: „Als Bischof möchte ich Vorbild sein“, sagt der 63-Jährige. Sein Ziel: Christen dabei zu helfen, in der schwierigen Region zu bleiben – und möglichst viele von denen zurückzulocken, die bereits abgewandert sind.
Erschütternde Berichte aus Syrien und dem Libanon
Hanna Rahmés großer Wunsch schwebt auch als Anliegen über dem diesjährigen Weltmissionsmonat: Das Hilfswerk Missio ruft auf zur Hilfe für Syrien und den Libanon, zwei Länder, die auf unterschiedliche Weise unter zurückliegenden Kriegen und einer desaströsen Wirtschaftslage leiden. Wie sehr, davon lieferte Jean-Abdo Arbach bei der Eröffnung des Weltmissionsmonats in Freiburg ein erschütterndes Bild: 80 Prozent der Christen in Syrien, so erzählt der Erzbischof von Homs, leben unter der Armutsgrenze. Ohnehin ist die Zahl der Christen in Syrien von einst acht auf jetzt noch vier Prozent gefallen. Der melkitisch griechisch-katholische Bischof hat selbst miterlebt, wie Christen malträtiert und getötet wurden. Mitten im Bürgerkrieg hatte er sein Amt angetreten, es dauerte lange, bis er seinen Bischofssitz beziehen konnte. „Syrien war einst ein Exportland für Weizen, heute müssen wir Weizen einführen“, beklagt er. Früher habe man mit der Produktion von Baumwolle Geld verdient, jetzt sind alle Bäume zerstört. Kein Wunder, dass viele der geschundenen Menschen über die Grenze in den Libanon fliehen. Dort kommen sie in ein Land, in dem auf andere Weise Not herrscht. „Die Wirtschaftskrise bricht uns das Rückgrat“, beschreibt Bischof Rahmé die Situation, die „so schlimm wie noch nie“ sei.
Bischof Hanna Rahmé bei der Pressekonferenz in Freiburg.
Kaum jemand hier kann wirtschaftlich mit der rasenden Inflation mithalten. Ein Grund mehr für den Erzbischof, auf dem fruchtbaren Boden immer wieder Hacke, Schaufel und Rebschere in die Hand zu nehmen. Die Selbstversorgung könne für die Menschen eine erhebliche Entlastung sein. Dass bei seinen täglichen Feldarbeiten Lebensmittel abfallen, mit der er seine Gemeinde unterstützt, ist für Rahmé nur ein positives Element. „Wir machen das auch, um unsere Traditionen zu erhalten. Die Verwurzelung mit unserem Land ist wichtig.“ Rahmés Amtssitz liegt in der maronitischen Kleinstadt Deir al-Ahmar, nicht weit von der Schiiten-Hochburg Baalbek entfernt. Korruption, Armut und Arbeitslosigkeit sind in dem landwirtschaftlich geprägten Gebiet deutlich spürbar. Politische Instabilität und religiöser Fundamentalismus prägen den Alltag. „Eine organisierte Zusammenarbeit mit muslimischen Gruppierungen gibt es nicht“, sagt der Bischof, allerdings treffe er sich regelmäßig mit muslimischen Vertretern und tausche sich über aktuelle Themen aus.
Gemeinschaft pflegen mit hohem Respekt voreinander
Pater Youssef Jihad leitet die klösterliche Gemeinschaft Mar Musa in Syrien – dort leben, wie er sagt, Männer und Frauen gleichberechtigt miteinander. Und sie pflegen engen Kontakt mit christlichen und muslimischen Familien in der Nachbarschaft. Das sei nicht immer leicht, aber möglich, sagt er und erzählt begeisternd von der Art und Weise, wie man „mit hohem Respekt voreinander “ Gemeinschaft pflege. Dass die Christen von Mar Musa schon vor dem Bürgerkrieg Muslime unterstützten, ihnen in der Not auch Unterschlupf im Kloster gewährten, habe ihnen Achtung verschafft. „Heute sind hier alle müde vom Krieg“, sagt Jihad. Seine Gemeinschaft setzt auf weiteres Zusammenwachsen, man setzt auf gute Ausbildung und landwirtschaftliche Arbeit. Ein Kindergarten wurde eingerichtet, seit einiger Zeit gibt es auch Musikunterricht. „Damit wollen wir ,Salz der Erde‘ sein“.
Und Salz, so erinnerte der Freiburger Weihbischof Peter Birkhofer, sei ja auch ein Mittel, das für Haltbarkeit sorge. Daher ist die Hoffnung groß, dass die Hilfen, die Christen in den Ländern leisten, von Dauer sind. „Wir sind ein verlässlicher Partner“, machte auch Erzbischof Stephan Burger deutlich und erinnerte an die beständige Unterstützung, die katholische Hilfsorganisationen leisteten. „Diese wirkungsvolle Kraft der Nächstenliebe kann übrigens auch unsere Kirche hierzulande beleben“, betonte der Erzbischof, der mit einem feierlichen Hochamt im Freiburger Münster den Monat der Weltmission eröffnete.
Missio-Hilfswerk ist vielfältig tätig
Patricia Kelly (links) unterstützt seit vielen Jahren das Hilfswerk Missio – bei einer Soiree in Freiburg begeisterte sie ihr Publikum, auch beim Podiumsgespräch mit der libanesischen Ordensschwester Jovanna Abillama, das SWR-Studioleiter Christoph Ebner (rechts) moderierte.
Missio-Präsident Dirk Bingener führt aus, wie vielfältig sein Hilfswerk tätig ist: Von Stipendien für Studenten, die angesichts der Wirtschaftskrise ansonsten ohne Abschluss dastünden, über die Förderung von Solaranlagen, damit Institutionen sich aus der Abhängigkeit von hohen Energiepreisen befreien könnten bis hin – natürlich – zu einer Vielzahl von sozialen Projekten, in denen vor Ort Arme und Behinderte unterstützt werden.
Konradsblatt-Leser bei Soiree mit Patricia Kelly
Einer prominenten Unterstützerin kann sich Missio sicher sein. Patricia Kelly machte bei einer Soiree im Funkhaus des SWR in Freiburg deutlich, wie wichtig ihr die Arbeit der Hilfsorganisation sei. „Gerade die Nonnen und Mönche in den Klöstern sind Vorbilder für mich“, sagte die Sängerin, die als Mitglied der Kelly-Family prominent wurde. SWR-Studioleiter Christoph Ebner begrüßte insbesondere die Konradsblatt-Leser im Publikum, die ihre Tickets bei einer Verlosung gewonnen hatten. Er selbst sei mit dem Konradsblatt eng verbunden: Ebner war in den 1980er-Jahren der erste Volontär, den die Redaktion ausbildete.
Patricia Kelly verzauberte ihr Publikum musikalisch mit ihrer wandlungsfähigen Stimme, mit der sie neuere Titel, aber auch den große Welterfolg „An Angel“ der Kelly Family präsentierte. Sie beeindruckte überdies mit persönlichen Erinnerungen an den Werdegang der Familienband, die als einfache Straßenmusiker begannen und am Ende riesige Stadien füllten. Und dabei, so betonte Patricia Kelly, habe sie der Glaube stets fest begleitet. Ihre Begeisterung steckt an: Am Ende klatschten auch die Gäste aus dem Libanon im Takt, bevor sie selbst mit einem Abendgesang die Soiree beschlossen. Mitten drin Bischof Hanna Rahmé, der Arbeiter im Weinberg ...
Von Andrea Krogmann/ Klaus Gaßner
Info
Beim Weltmissionssonntag wird in rund 100 Ländern der Welt für soziale und pastorale Arbeit in den 1100 ärmsten Diözesen der Welt gesammelt. Infos unter: missio-hilft.de oder www.konradsblatt.de/Libanon
Spendenkonto von Missio: IBAN DE23 3706 0193 0000 1221 22