Ein Auftritt, der Hoffnung macht

30.04.2024 |

Die Bruchsaler Schlossgespräche fragen regelmäßig: „Was hält unsere Gesellschaft zusammen?“ Dieses Mal ging die Frage an den Moderator Frank Elstner und den Parkinson-Experten Jens Volkmann.

Vorab konnten Schülerinnen der Fachschule für Sozialpädagogik, Sancta Maria, Frank Elstner und Jens Volkmann in kleiner Runde Fragen stellen.
 
Er ist Moderator, Entertainer und Showmaster. Die deutsche Medienlandschaft prägt er seit 60 Jahren. Über welches Medium und welche Show man dem 82-Jährigen zum ersten Mal „begegnet“ ist, hängt sicherlich vom eigenen Alter ab. Zu Beginn seiner Karriere war er bei „Radio Luxemburg“ zu hören, dann in verschiedensten Formaten im Fernsehen zu sehen. Berühmtheit erlangte er spätestens mit „Wetten, dass ...“ – die Show, die über Jahrzehnte hinweg Familien vor dem Fernseher vereinte und über die die Zuschauer am Montag bei der Arbeit oder in der Schule gesprochen haben. Wer zu jung ist, ihn als Moderator von „Wetten dass ...?“ zu kennen, erinnert sich an seine Moderation von „Verstehen Sie Spaß?“, an die Talkshow „Menschen der Woche“ oder gar an das YouTube- (inzwischen Netflix-) Format „Wetten, das war‘s ...?“. Wer jetzt nicht weiß, dass Frank Elstner gemeint ist, muss wirklich noch sehr jung sein ...

So wie Nina Reiss – sie ist 19 Jahre alt und lernte Frank Elstner, der im österreichischen Linz geboren und in Baden-Baden aufgewachsen ist, bei den Schlossgesprächen in Bruchsal kennen. „Ich musste meinen Vater fragen, wer das ist“, der habe ihr dann erklärt, dass das der Erfinder von „Wetten dass …?“ sei „und dann war er ein bisschen neidisch auf mich“, erzählt die angehende Erzieherin, die an der Fachschule für Sozialpädagogik, Sancta Maria in Bruchsal, einen Teil ihrer Ausbildung absolviert. Eine kleine Runde von Schülerinnen, zu der auch Nina Reiss gehört, hatte vorab die Möglichkeit, Frank Elstner Fragen zu stellen. Ein Thema beschäftigte die Runde besonders: Elstners Parkinsonerkrankung. „Parkinson ist kein Todesurteil“, das betont er den Abend über immer wieder. Im Nachhinein erinnere er sich gut an die ersten Anzeichen. Das Wasserglas in seiner rechten Hand habe so gezittert, dass er dachte, mit seinem Arm sei etwas nicht in Ordnung. Aber bis zur Diagnose war es ein langer Weg – dazu waren viele Untersuchungen und Arzttermine nötig. 2019 ging er mit der Diagnose an die Öffentlichkeit, denn „bevor ich andere schreiben lasse, wie es mir geht, sag ich‘s selbst“, scherzt der Entertainer. Eine Bitte adressiert er an die Schülerinnen: „Macht aus Betroffenen keine Dauerkranken, die man bemitleidet, denen man ständig helfen will. Sie können fast alles alleine. Passt auf sie auf, wenn sie Treppen laufen, informiert euch und sorgt dafür, dass Angehörige sich informieren.“

Bevor die kleine Runde schließlich in die große übergeht, will Elstner noch zeigen, was zu seinem täglichen Sportprogramm gehört: das Boxen. Seit Jahren trainiert Frank Elstner mit dem Sportwissenschaftler André Inthorn, der nach Elstners Diagnose ein spezielles Programm entwickelt hat, mit dem Ausdauer, Kraft, Koordination und Beweglichkeit verbessert werden. Während Inthorn die Anweisungen gibt, wohin Elstner schlagen soll, zeigt der seinen harten Haken und drängt seinen Trainer nach hinten – „lass mich stehen“, scherzt dieser. 
Beim ersten wie beim zweiten Teil des Abends ist Neurologe Jens Volkmann an Elstners Seite. Dieser hat sich auf die Behandlung von Bewegungsstörung mittels tiefer Hirnstimulation spezialisiert, forscht in Sachen Parkinson und ist Gründer und Vorstand der Parkinson Stiftung. Zusammen haben er und Elstner das Buch „Dann zitter ich halt“ geschrieben, und an ihn übergibt Elstner immer wieder das Wort. Ihr erklärtes Ziel: über die Krankheit aufklären und zeigen, dass es in den meisten Fällen möglich ist, den Verlauf hinauszuzögern. „Ich muss aber auch sagen, dass ich Glück habe und einen milden Verlauf habe“, betont Elstner im Fürstensaal des Bruchsaler Schlosses – der mit 150 Zuschauen voll besetzt ist. „Eine schlaflose Nacht müssen die Ticketkäufer im März erlebt haben“, mutmaßt Roland Schäfer, Vorsitzender der Dr. Bertold-Moos-Stiftung bei seiner Begrüßung. Denn über Nacht seien die kostenlosen Tickets allesamt vergriffen gewesen.
 
„Macht aus Betroffenen keine Dauerkranken, informiert euch“

Der Professor gibt Elstner Recht. „Ja, du hast großes Glück. Du hast einen milden Verlauf. Du machst aber auch vieles richtig.“ Und dazu gehört laut Volkmann auch, dass Elstner sich nicht zurückziehe und seinen Optimismus bewahrt habe, „wichtig ist, dass man sich auf das fokussiert, was man kann und nicht auf das, was man verloren hat“. Auch Bewegung sei maßgeblich. Viel Bewegung. „Ich treibe nicht mehr eine Sportart, sondern zehn und das nicht einmal die Woche für 30 Minuten, sondern mindestens einmal am Tag für eine halbe Stunde“, erzählt Elstner. „Dabei solle man etwas in Schwitzen kommen“, sodass man sich danach duschen müsse, scherzt er, „es sollte aber auch ein bisschen Spaß machen“. Auch vor der großen Zuschauerrunde lässt er sich eine kleine Boxeinlage nicht nehmen und zeigt den Gästen seinen festen Schlag.

Dass Elstner, der Moderator, selbst interviewt wird, scheint er ab und an zu vergessen, das erfährt auch der offizielle Moderator der Runde, Klaus Gaßner, Stiftungsrat der Dr. Bertold-Moos-Stiftung und Konradsblatt-Chefredakteur. Munter plaudert der Gast aus dem Nähkästchen von seinem bewegten Leben in der Showbranche: dass er es nie vergessen werde, wie er den „ABBA-Mädchen“, wie er sie nennt, einen Kuss auf die Wange geben durfte. Oder wie ihm die Idee zu „Wetten, dass …?“ kam – nämlich durch ein Hunderennen, das er in London besucht hatte. In einer schlaflosen Nacht dann die Idee: „Warum wird eigentlich nicht gewettet? In dem Moment raste ich in die Küche und schrieb sieben Seiten Konzept runter …“ Ob er realisiert habe, wie bahnbrechend seine Idee war, will Klaus Gaßner noch wissen, bevor Elstner wieder auf das Thema Parkinson lenkt: „Ja, aber die Rechte habe er alle an das ZDF verkauft“, Millionär sei er damit nicht geworden. 
 
Das ließ er sich nicht nehmen: Frank Elstner zeigt dem Publikum seine Boxroutine, die er mit André Inthorn trainiert. Mit auf der Bühne: Klaus Gaßner (Mitte) und Jens Volkmann (verdeckt).

„Aber das ist mir alles egal, wenn du, Volkmann, mein Parkinson heilst.“ Elstner betont immer wieder, wie überzeugt er sei, noch zu erleben, „dass er mir eine Pille gibt und sagt: ‚Du zitterst nun weniger‘“. Auch wenn die Krankheit noch mit vielen Fragezeichen versehen ist, konnten im Laufe der Jahrzehnte viele durch Ausrufezeichen ersetzt werden. Immer wieder gab es neue Erkenntnisse, die dabei geholfen haben, die Krankheit besser zu verstehen und Fortschritte zu machen, immer wieder erlangt die Forschung neue Erkenntnisse. „Und jetzt kommt mein Trumpf“, freut sich Elstner, Volkmann habe ihm vor Kurzem gesagt, dass es bald etwas geben könnte, das den Verlauf milder mache und „wenn ich an einen milden Verlauf denke, bin ich froh, dann kann ich vielleicht mal fünf Stunden schlafen“. 

Elstner und Volkmann, der Entertainer und der Wissenschaftler, sie ergänzen sich. Elstner mit seinem Unterhaltungswert schafft es, dass die Menschen ihm zuhören, und Volkmann klärt aus wissenschaftlicher Sicht auf. Zusammen schaffen sie Aufmerksamkeit und informieren – Betroffene wie Angehörige. Und sie machen Mut, indem sie zeigen, dass die Forschung Fortschritte macht. Sie rufen dazu auf, sich bei einer Diagnose nicht zurückzuziehen, zuversichtlich zu bleiben und von Familie und Freunden Optimismus einzufordern. Und wer kann, möge spenden, denn Forschung ist teuer und um Forschungsgelder gebe es einen lebhaften Wettbewerb.
„Parkinson ist kein Todesurteil“ und was Elstner mindestens genauso oft betont: „Ich bin mir sicher, dass es bald eine Pille geben wird ...“ Und dabei klingt er sich so sicher, als würde er damit bei „Wetten dass …?“ antreten wollen. 
 
Yvonne Jarosch